das Thema Bückware wird im "Piko-Buch 50 Jahre" behandelt. Die Devisenbeschaffung hatte oberste Priorität. Auf den Leipziger Messen wurden über die Demusa mit den NSW-Handelsvertretern Verträge geschlossen, die fast den ganzen Jahresbedarf abdeckten. Zweiter Exportschwerpunkt war das sozialistische Ausland. Der bescheidene Rest wurde dann im DDR-Binnenhandel aufgeteilt.
Dieses Verhalten lässt sich auf viele DDR-Betriebe übertragen - es wurden hohe Stückzahlen produziert, aber der DDR-Bürger schaute in die Röhre, da der Großteil in den Export ging und die heimischen Schaufenster leer blieben.
Deine Beschreibung deckt sich exakt mit meinen Beobachtungen/Erfahrungen aus der damaligen Zeit und ich bin der Überzeugung das weniger lebenswichtige Produkte wozu sicher auch die Modellbahn zählte doch eher selten unter der Hand verfügbar waren; falls doch dann waren das auch eher Artikel die man in größeren Städten für Westmarkzahler vorhielt. Wobei ich damals wie heute der Überzeugung bin das aufgrund ihrer Fähigkeiten und Improvisationskunst ostdeutsche Techniker/Konstrukteure ihren Westkollegen voraus waren und hätten die immer ohne die bekannten Einschränkungen arbeiten können wären die Westhersteller schon Jahre früher in die bekannte Krise geschlittert.
Grüße von Markus
Man muß im Leben für seine Erfahrungen bezahlen, wenn man Glück hat bekommt man manchmal Rabatt (Oskar Kokoschka)
Moin. Einen "Vorteil" hatte der Mangel in der DDR. So es sich einrichten ließ, wurden Dinge "für die Ewigkeit" gebaut. Weil eben nicht viel da war, mußte das Wenige, was man zur Verfügung hatte, auch besonders lange halten. Und wenn etwas nicht hielt, dann waren die Konstruktionen (meistens) wenigstens reparaturfreundlich. Ob man dann auch Teile für eine Reparatur auftreiben konnte, war aber schon wieder eine andere Sache. Über die westliche Wegwerfgesellschaft schüttelten wir manchmal den Kopf. Wenn die Produktion selbst nicht zumeist sehr altmodisch/rückschrittlich gewesen wäre, dann hätte man viele Produkte durchaus als nachhaltig bezeichnen können - langlebig, reparaturfreundlich und zerleg- & recycelbar. Leider waren viele Produktionsprozesse alles Andere als umweltfreundlich und oftmals auf Grund veralteter Technologien oftmal auch nicht gerade kräfte-, energie- und recourcensparend. Und so entstand Bückware - um mal wieder zum Ausgangspunkt zurück zu finden.
Fahrt Frei Steffen
Spur S international, egal wer's gebaut hat Piko Einschienenbahn Herr Schmalspurbahn Eisenbahnbetriebslabor der TU Dresden
Zitat von Es(s)bahner im Beitrag #28... Über die westliche Wegwerfgesellschaft schüttelten wir manchmal den Kopf. Wenn die Produktion selbst nicht zumeist sehr altmodisch/rückschrittlich gewesen wäre, dann hätte man viele Produkte durchaus als nachhaltig bezeichnen können - langlebig, reparaturfreundlich und zerleg- & recycelbar....
Steffen, da habe ich etwas erlebt, das im Westen undenkbar war. Um 1976 kühlte bei meinem DDR-Gastgeber der Kühlschrank in der Küche nicht mehr. Dank der Tatsache, daß die DDR-Kühlschränke einheitlicht waren, kam jemand, der nach Lösen von wenigen Schrauben, die Rückwand samt Verdampfer und Kompressor aus dem Kühlschrank herauszog und durch ein mitgebrachtes Neuteil ersetzte. Nach einer Viertelstunde war die Reparatur beendet und das alte Aggregat zur Aufarbeitung mitgenommen.
Um den Bogen zur kleinen Bahn zu finden: Die Kühlschränke wurden in Niederschmiedeberg, gelegen an der schmalspurigen Preßnitztalbahn von Wolkenstein nach Jöhstadt, gefertigt. Wegen dem erforderlichen Transport der vielen Kühlschränke überlebte die Schmalspurbahn bis 1986. Mit einem Hubschrauber hat man die vielen Brücken über die Preßnitz bis Sommer 1989 abgebaut. Seit Sommer 1990 wurde die Bahn teilweise wieder aufgebaut. Ach, hätte die Bahn doch ein wenig längr durchgehalten.
Bückware, so kann ich mich erinnern, war ab den beiden 01.5, über die 41er und die 86er bis zur 03. Aufgrund des hohen Preises (die Subventionen wurden zurückgefahren) von 95er mit 245 Mark, der 56er mit 205 Mark und des "Rollwagens" mit 220 Mark war dann nicht so ein großer Run auf die Loks. Die 106 und die 185/195 waren je nach Lieferung Bückware.
Die 86er wurde in Saßnitz auf Nachfrage unter dem Ladentisch vor geholt. Im Norden war es immer einfacher etwas zu bekommen, als im Süden, wo die Mobahnerdichte größer ist/war. Sonst waren gute Beziehungen zu den Verkäuferinnen das A und O.